Retentionsbodenfilter

..oder Mischwasserbehandlungsbiotope

Mischwasserbehandlungsbiotope (Retentionsbodenfilter)

Die Regenentlastungen in Mischwassersystemen müssen den allgemein anerkannten Regeln der Technik entsprechen. Sie dürfen nicht mehr mit Abwasser vermischtes und damit verschmutztes Niederschlagswasser in den Vorfluter abschlagen als gesetzlich erlaubt ist (< 250 kg CSB pro Hektar und Jahr bezogen auf die befestigte Fläche).

Der Nachweis erfolgt z.B. über Schmutzfracht-Simulationsprogramme 
(Smusi, Kosim, LWAFLUT) oder über das Arbeitsblatt ATV A 128.
Anstelle üblicher Regenüberlaufbecken in Beton, die die entlastete Schmutzfracht begrenzen, können alternativ Teich-Röhricht-Biotope in Erdbeckenbauweise errichtet werden, die preisgünstiger und landschaftsangemessener sind und eine wesentlich höhere mechanisch-biologische Wirksamkeit aufweisen.
Neben dem Reinigungseffekt der Schmutzstöße im Niederschlagswasser, dienen Retentionsbodenfilter auch dem Hochwasserschutz, da die aufgefangenen Niederschläge zeitverzögert an den Vorfluter abgegeben werden.

Bereits seit einigen Jahren bestehende Praxisprojekte, die eingehend untersucht wurden (Sinsheim, Wolfsburg), haben ein außerordentlich positives Ergebnis gezeigt.

Mischwasserbiotope in Oberg und Münstedt

Die Ortschaften Oberg und Münstedt (3.400 Einwohner ) entwässern im Mischsystem. Das heißt, dass häusliches Abwasser und Regenwasser von befestigten Flächen zusammen in einem Kanalsystem in die Kläranlage gelangt. Unter Regenwetterbedingungen wird nach den gültigen Regeln der Technik ein beträchtlicher Teil dieses Mischwassers ungereinigt direkt den Fließgewässern zugeführt. In den neuen Mischwasserbiotopen werden diese entlasteten Mischwässer nunmehr gründlich behandelt.

Nach der Passage eines unbelüfteten Absetz- und Speicherteiches erfolgt eine abschließende Behandlung in einem schilfbepflanzten Bodenfilter vor Einleitung in den Vorfluter Woystgraben.

Durch die Wasserrückhaltung bzw. Abflussdämpfung wird das Fließgewässer vor Spitzenabflüssen geschützt, und die unerwünschte Organismenabdrift wird verhindert (Speichervolumen: 3400 m3 Oberg, 1250 m3 Münstedt). Die mehrstufige Reinigungskaskade hält grobe Verunreinigungen aus dem Sanitärbereich sowie absetzbare mineralische Feststoffe zurück. Die im Mischwasser enthaltenen organischen Schmutzstoffe werden oxidiert, so dass sie die Lebensgemeinschaft des Fließgewässers nicht mehr schädigen können.
Unterstützend zur bakteriellen Abwasserreinigung werden Sumpfpflanzen, auf Schwimminseln wachsend, die im Abwasser gelösten Schad- und Nährstoffe binden. Die Wasser- und Röhrichtflächen sind Anziehungspunkt zahlreicher Brut- und Rastvogelarten. Kleinfische, Amphibien und Krebstiere besiedeln den Lebensraum aus Menschenhand.

Bereits im Lahstedter Ortsteil Gadenstedt hat sich ein solches Sekundärbiotop zur Abwasserbehandlung an Stelle herkömmlicher Regenüberlaufbecken aus Beton aus der Sicht des Gewässerschutzes als weit überlegen erwiesen.

Naturnahe Nachbehandlung des Kläranlagenablaufes und weitergehende Mischwasserbehandlung
in der Gemeinde Renquishausen (Baden-Württemberg)


Bearbeitung:
Ingenieurbüro Blumberg
Gänsemarkt 10
37120 Bovenden
Tel.: 0049 (0) 5593 / 937750
Fax.: 0049 (0) 5593 / 937765

Ausgangssituation
Die Kläranlage Renquishausen liegt im Karstgebiet der Schwäbischen Alb. Da kein
Vorfluter zur Einleitung vorhanden ist, wurden das gereinigte Abwasser und die
Mischwasserabschläge bisher über einen Sickerschacht in den Untergrund eingeleitet. Um jegliche Gefährdung des Wasserschutzgebietes der Gemeinde Bärenthal auszuschließen wurde eine weitergehende Behandlung, insbesondere im Hinblick auf die Keimelimination, behördlich gefordert.



Planungskonzept
Allgemeine Beschreibung
Die Gemeinde Renquishausen im Landkreis Tuttlingen (Baden-Württemberg) reinigt ihr Abwasser in einer mechanisch-biologischen Kläranlage. Die Ablaufwerte erfüllen in jeder Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen.

Die Ortschaft entwässert im Mischsystem. Unmittelbar vor der Kläranlage wird das Mischwasser entlastet. Um den Spülstoß bei stärkeren Regenfällen abzufangen, befindet sich hinter der Entlastung ein Regenbecken. Die Entleerung erfolgt nach Regenende mittels einer Pumpe in den Kläranlagenzulauf.

Bei Beckenvollfüllung erfolgte bisher eine Entlastung des ungereinigten Mischwassers in das angrenzende Grundstück. Der Kläranlagenablauf wird ebenfalls dorthin geleitet und versickert.

Nunmehr wird aufgrund der unterschiedlichen Zuflussmengen und -ereignisse der Teilstrom Kläranlagenablauf (überwiegend niedriger aber stetiger Zufluss) separat behandelt und dann teilweise zusammen mit den Mischwasserabschlägen (kurzzeitige hohe Zuflüsse in zeitlich langen Intervallen) in einer weiteren Anlagenkomponente behandelt, bevor das gesamte Abwasser einem neuen Versickerungsareal zugeführt wird.
 



Download 1: Retentionsbodenfilter zur Mischwasserbehandlung und Nachklärbiotop Renquishausen
Download 2: Retentionsbodenfilter und Mischwasserbehandlungsbiotope
Download 3: Mischwasserbehandlungsbiotope (Retentionsbodenfilter) - Aspekte der Bemessung und Gestaltung