Wirtschaftlichkeit


Frage 1: Wie alt werden Pflanzenkläranlagen? Nach den KVR-Leitlinien (2005) der LAWA [1] ist die Abschreibungszeit 12-15 Jahre. Teilen Sie diese Auffassung?
[1] Leitlinien zur Durchführung dynamischer Kostenvergleichsrechnungen der Länderarbeitsgemeinschaft Wasser (KVR-Leitlinien), Berlin 2003, Verlagsgruppe Witzenhausen.


Frage 2: Gibt es für abgelegene Standorte von Pflanzenkläranlagen eine Lösung für den stromnetzunabhängigen Betrieb der Förderpumpen z.B. durch Wind- oder Sonnenenergienutzung?

 



Antwort zu Frage 1:Wie alt werden Pflanzenkläranlagen? Nach den KVR-Leitlinien (2005) der LAWA [1] ist die Abschreibungszeit 12-15 Jahre. Teilen Sie diese Auffassung?
[1] Leitlinien zur Durchführung dynamischer Kostenvergleichsrechnungen der Länderarbeitsgemeinschaft Wasser (KVR-Leitlinien), Berlin 2003, Verlagsgruppe Witzenhausen.



Nein, das ist Unsinn – aus vielerlei Gründen.
Die Wurzelraumanlage Othfresen der Gemeinde Liebenburg (mit aktuell ca. 4.000 angeschlossenen Einwohnergleichwerten) besteht jetzt seit 1974. Es war eine meiner Aufgaben, 1984 das Symposium zum zehnjährigen Bestehen dieser Pflanzenkläranlage als Mitarbeiter des Instituts für Ökochemie (Uni Kassel) zu organisieren. Mit der Bezirksregierung Braunschweig in Gestalt des Bauoberrates E., die über Jahre hinweg keine bürokratische Schikane ausgelassen hat, um die Anlage zu schließen, habe ich mir seinerzeit höchst unangenehme Wortgefechte auf Fachkongressen und vor Busladungen von Besuchern (vorwiegend aus Skandinavien und Österreich) geliefert und mit zahlreichen Diplomanden Beprobungen, Umbauten und Betriebsoptimierungen vorgenommen.
Fazit all dieser jahrelangen zeitaufwendigen Bemühungen:
  1. Die Bezirksregierungen wurden in Niedersachsen abgeschafft. smiley
  2. Die Pflanzenkläranlage (Wurzelraumanlage) Othfresen läuft bis heute (2015), wurde also in 2014 vierzig Jahre alt – und ein Ende ist nicht absehbar.
  3. Die ökonomischen Vorteile (und nicht nur diese) für die Gemeinde sind riesig; darauf hat schon der Gemeindedirektor Kirstein beim Zehnjahresjubiläum dezidiert hingewiesen (KIRSTEIN, 1985) [2].
  4. Ein Alterungsprozess dieser ökotechnologischen Abwasserreinigungsvariante, wie er bei technischen Systemen ab der ersten Betriebsstunde einsetzt, ist nicht erkennbar. Es gilt das alte VW-Käfer-Motto …und läuft und läuft… und läuft.
  5. Wenn die LAWA fragen würde, wie ich denn die Abschreibungszeit für Pflanzenkläranlagen festzulegen geneigt sei, ich wüsste keine wissenschaftlich begründete Antwort: 40 Jahre, 80 Jahre, 120 Jahre? Jedenfalls viel länger als die rechnerische Abschreibungszeit von 25 Jahren für konventionelle Kläranlagen gemäß KVR-Leitlinien.
  6. Wenn ich bei meinen Vorträgen in den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts solche potentiellen Nutzungsdauern prognostiziert habe, war mir Hohn und Spott der etablierten Wasserwirtschaft sicher. Mittlerweile lacht keiner mehr.

[2] KIRSTEIN, W. [1985]:Erfahrungen der Gemeinde Liebenburg mit der Wurzelraumentsorgungsanlage Othfresen. In: Grundlagen und Praxis naturnaher Klärverfahren – 10 Jahre Othfresen. Verlagsgruppe Witzenhausen.


Antwort zu Frage 2:Gibt es für abgelegene Standorte von Pflanzenkläranlagen eine Lösung für die stromnetzunabhängigen Betrieb der Förderpumpen z.B. durch Wind- oder Sonnenenergienuzung?

Unser freier Mitarbeiter, Dipl. Elektroingenieur Becker, hat ein Konzept für eine netzunabhängige Stromversorgung über Solarpanels auf der Niederspannungsebene (24 V Gleichstrom) erarbeitet. Der Dauerbetrieb (auch in sonnenarmen Zeiten) wird über Blei-Akkus erreicht. Eine Einheit mit 12 m² Solarkollektoren (2,8 kWh/d) kann je nach standortspezifischer Gesamtförderhöhe etwa 20 – 40 m³ pro Tag pumpen. Bei größeren Mengen kann man natürlich mehrere Module einsetzen.



Downloads