Sumpfpflanzendächer


Frage 1: Sie werben für das Konzept des Sumpfpflanzendachs (wetland roof). Cui bono oder auch - warum denn noch eine Gründachvariante?

Frage 2: Was macht ein Sumpfpflanzendach anders als ein normales Gründach?

Frage 3: Nach welchen Gesichtspunkten erfolgt die Pflanzenauswahl?

Frage 4: Wie hoch ist die statische Belastung des Dachs?

Frage 5: Wie erfolgt die Nährstoffversorgung?

Frage 6: Wie übersteht Ihr bewässertes Sumpfpflanzengründach gelegentlich auftretende wochenlange sommerliche Phasen ohne Niederschlag, d.h. wenn die Regenwasserzisterne trockenfällt und nicht durch Regen wieder aufgefüllt wird?

Frage 7: Wie hoch ist der Pflege- und Wartungsaufwand ?

Frage 8: Was kostet ein bewässertes Sumpfpflanzendach?

Frage 9: Worin besteht die Vision für solche wetland roofs?

Frage 10: Haben Sie zu dem Thema Sumpfpflanzendach publiziert ?

Frage 11: Gibt es aktuelle Forschungsaktivitäten?

Frage 12: Wo befindet sich denn bei Ihren schwimmenden Installationen die Zisterne?


Frage 13: Wie kommt der Kühleffekt für die Räume unter einem Sumpfpflanzendach zustande?

Frage 14: Mit welcher Verminderung der Raumtemperatur ist unter einem Sumpfpflanzendach zu rechnen?


Frage 15: Bis zu welcher hydraulischen Belastung pro m² Sumpfpflanzendach gelingt eine Grauwasserreinigung?


 



Antwort zu Frage 1:Sie werben für das Konzept des Sumpfpflanzendachs (wetland roof). Cui bono oder auch - warum denn noch eine Gründachvariante?


Auch wir gehören zugegebenermaßen zu dem Kreis derer, die Sie mit Werbung belästigen. Auch wir wollen die Welt retten und dabei auch noch Geld verdienen. Diese und nicht die umgekehrte Reihenfolge- nehmen wir allerdings für uns in Anspruch.

Was ist die Botschaft:
Schon jetzt leben ca. 50% der Menschheit in urbanen Ballungszentren, in 2-3 Jahrzehnten werden es ca. 70% sein.
Die Großstädte sind massiv überhitzt und nur noch auf den Dächern ist ein Klimaausgleich möglich. Das Sumpfpflanzendach- Konzept (wetland roof ) hat das ehrgeizige Ziel dem entgegenzuwirken, was sicher nicht durch Inselprojekte, sondern nur durch gesetzlich vorgeschriebene Massenanwendungen möglich wird.
Die allgemeinwohlfördernden Wirkungen haben wir unter folgendem Link dargestellt: Ein Videointerview mit Herrn Blumberg auf unserem im Oktober 2016 fertiggestellten Sumpfpflanzendach in der Schweiz finden Sie hier:

Antwort zu Frage 2: Was macht ein Sumpfpflanzendach anders als ein normales Gründach?


Luft- und Dachkühler, Regenabflussminderer, Schadstofffilter, Luftbefeuchter, CO2 - Absorber und O2-Freisetzer, Schalldämpfer, Luftentstauber, Schattenspender, Öko-Nische für Insekten und Vögel.
Dies alles gilt auch für ein normales Gründach. Ein Sumpfpflanzendach macht dasselbe nur viel intensiver.


Antwort zu Frage 3: Nach welchen Gesichtspunkten erfolgt die Pflanzenauswahl?


Der Blattflächenkoeffizient sollte möglichst hoch sein, um eine hohe Verdunstungskühlung zu initiieren (Evapotranspiration), daher pflanzen wir einen Grundbestand von Seggen (Carex ssp.) und Binsen (Juncus ssp.). Aquatische Makrophyten wie Schilf (Phragmites), Rohrkolben (Typha) und Wasserschwaden (Glyceria) kommen nicht oder selten infrage, obwohl sie die Kühlung durch Verdunstung maximieren würden. Bei 1,5 - 3 m Bestandshöhe wären diese Spezies allerdings zu windwurfanfällig. Aus ästhetischen Gründen werden von uns zu unterschiedlichen Jahreszeiten blühende Sumpfpflanzen als Begleitflora gewählt, projektspezifisch teilweise auch als Hauptbestandsbildner, z.B. die Sumpfdotterblume (Caltha), Wasserschwertlilien (Iris ssp.), Blutweiderich (Lythrum), Gauklerblumen (Mimulus ssp.), Hahnenfußarten wassergesättigter Standorte (Ranunculus ssp.), sowie Pflanzen der Volksmedizin wie der Echte Baldrian (Valeriana officinalis). Starke Duftkomponenten setzen die wassergebundenen Minzearten ( Mentha aquatica und longifolia). Der Blühaspekt der vorgenannten Sumpfpflanzen (Helophyten) trägt auch wesentlich zu einer Förderung von Insekten bei (Schmetterlinge, Wildbienen, Hummeln).


Antwort zu Frage 4: Wie hoch ist die statische Belastung des Dachs?

Geringer als bei fast allen anderen Gründachvarianten, ca. 45-60 kg /m² (tropfnass auf Schrägdach). Bei 10 cm Einstau auf Flachdach ca. 120 kg/m². Es werden keine Substrate wie Sand, Kies, Boden eingesetzt; nur die wasserspeichernde Textilmatte und die Pflanzen verursachen die Dachlast.


Antwort zu Frage 5: Wie erfolgt die Nährstoffversorgung?

Durch Deposition aus der Luft und gelegentliche Flüssigdüngergaben in die Zisterne; wenn Abwasser (belastetes Niederschlagswasser, Grauwasser, gewerbliches Abwasser) zum Einsatz kommt, dient dieses als Nährstoffquelle.


Antwort zu Frage 6: Wie übersteht Ihr bewässertes Sumpfpflanzengründach gelegentlich auftretende wochenlange sommerliche Phasen ohne Niederschlag, d.h. wenn die Regenwasserzisterne trockenfällt und nicht durch Regen wieder aufgefüllt wird?

Für solche Situationen muss die Möglichkeit der Einspeisung von Trinkwasser oder Grauwasser in die Zisterne konstruktiv eingeplant werden.


Antwort zu Frage 7: Wie hoch ist der Pflege- und Wartungsaufwand ?

Gering! Ein Ausfall des Bewässerungscomputers oder der Förderpumpe sollte - nach entsprechender optischer und/oder akustischer Alarmmeldung - nicht ignoriert werden. Bäume, wie z.B. Grünerlen - die durch Samenflug sich auf der Dachmatte etablieren, sollten beseitigt werden (einmal in drei Jahren). Die Dachabdichtung (wasserdichte Folien) sind gegen Baumdurchwurzelung nicht getestet. Ansonsten gilt: Das Sumpfpflanzendach muss nicht gemäht werden.
Grobstoffe, wie Pflanzenreste, sollten häufiger aus den Zisternenvorfiltern entfernt werden (ca. viermal pro Jahr). Wenn die Pflanzen gelb werden (Stickstoffmangel), sollte das Bewässerungswasser gedüngt werden (handelsüblicher NPK-Dünger, ein- bis zweimal jährlich).



Antwort zu Frage 8: Was kostet ein bewässertes Sumpfpflanzendach?

Rechnen Sie grob mit 50-60 € /m², je nach Ausstattung und Typ (Flachdach, Schrägdach).



Antwort zu Frage 9: Worin besteht die Vision für solche wetland roofs?

Aktuell leben schon 50 % der Weltbevölkerung in überhitzten urbanen Ballungszentren, mit weiter steigender Tendenz. Statt einzelner grüner Vorzeigeprojekte wollen wir die Massenanwendung, da Inselvorhaben nicht stadtklimarelevant sind. Wenn Sie wie ich jedes Jahr häufig in Großstädten Südamerikas oder Asiens unterwegs sind, blicken Sie vom Hotel aus auf Gebäudewüsten bis zum Horizont (Mexiko City, Shanghai, Singapur, Neu-Delhi, Ho-Chi-Minh-City usw.) Nur die unglaublich großen Dachflächen solcher Metropolen können noch bezahlbar zur klimawirksamen Grünflächenanreicherung von solchen Megacities genutzt werden.
Meine Vision ist daher, Stadtverwaltungen davon zu überzeugen, dass mindestens 50% der Dächer zu begrünen sind und dass das gesetzlich verankert wird. Zuletzt habe ich das mit der Vizebürgermeisterin von Suzhou, Mrs. Tan, in China diskutiert. Suzhou liegt zwei Autostunden von Shanghai entfernt und hat ca. 7 Mio. Einwohner.


Antwort zu Frage 10: Haben Sie zu dem Thema Sumpfpflanzendach publiziert ?

Ja, neben Hinweisen auf unseren Homepages (http://blumberg-engineers.com/en/22/wetland-roofs ;http://blumberg-engineers.com/de/62/publikationen), finden Sie auch  folgende Publikationen:

Blumberg, M. (2010): Sumpfpflanzendächer, eine besonders vielseitige innovative Variante der Dachbegrünung, in GWF Wasser Abwasser, 151. Jahrgang / Heft 6, Essen, S. 568-571.

Blumberg, M. (2011): Sumpfpflanzendächer als Variante der Dachbegrünung, in
GWF Praxiswissen, Band 1, Regenwasserbewirtschaftung , ISBN 978-3-8356-3257-8.

Zehnsdorf, A., Stock, N., Richter, J., Blumberg, M., Müller, A. R.: Grauwasserreinigung mit einer Sumpfpflanzenmatte unter Praxisbedingungen, in Chemie Ingenieur Technik (2016), 88, No.8, 1138-1144.



Antwort zu Frage 11: Gibt es aktuelle Forschungsaktivitäten?

Ja, wir haben dieses Jahr (2014) zusammen mit dem Umweltforschungszentrum Leipzig Vorversuche zur Grauwasserreinigung auf Sumpfpflanzendächern gestartet, die inzwischen abgeschlossen sind und publiziert wurden (siehe letzte Literaturstelle unter Frage 10).


Antwort zu Frage 12: Wo befindet sich denn bei Ihren schwimmenden Installationen die Zisterne?


In einem der Paolo Pontons (http://blumberg-engineers.com/de/123/schwimmende-installationen).



Antwort zu Frage 13: Wie kommt der Kühleffekt für die Räume unter einem Sumpfpflanzendach zustande?

 Bei großer Hitze schließen Landpflanzen ihre Spaltöffnungen in den Blättern (Stomata) und reduzieren damit ihre Evapotranspiration. Sumpfpflanzen haben das nicht nötig, da in ihren typischen Standorten stets Wasser vorhanden ist. Sie verdunsten also auch bei hohen sommerlichen Mittagstemperaturen munter weiter, wobei in erheblichem Maße Verdunstungskälte entsteht.  Es werden bis zu etwa 30 l /m² x d z.B. in einem Schilfbestand verdunstet, in Abhängigkeit vom tatsächlichen Wasserdampfsättigungsdefizit der Luft.


Antwort zu Frage 14: Mit welcher Verminderung der Raumtemperatur ist unter einem Sumpfpflanzendach zu rechnen?

ca. 8° - 10 ° C . Es ist ein Riesenunterschied, ob Sie bei 20 ° C oder bei 28° C arbeiten oder schlafen müssen. Und auch die Kühe geben mehr Milch !

Blumberg, M. (2011): Sumpfpflanzendächer als Variante der Dachbegrünung, in
GWF Praxiswissen, Band 1, Regenwasserbewirtschaftung , ISBN 978-3-8356-3257-8.

Blumberg, M. (2010): Sumpfpflanzendächer, eine besonders vielseitige innovative Variante der Dachbegrünung, in GWF Wasser Abwasser, 151. Jahrgang / Heft 6, Essen, S. 568-571.



Antwort zu Frage 15: Bis zu welcher hydraulischen Belastung pro m² Sumpfpflanzendach gelingt eine Grauwasserreinigung?

Bis ca. 15 l / m² x d. Die entsprechende Publikation hierzu ist im Jahr 2016 in Chemie Ingenieur Technik erschienen (siehe letzte Literaturstelle unter Frage 10). 


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