Ökologisches Gesamtkonzept der Gemeinde Lahstedt

Unser Beitrag zur Weltausstellung

Ort im Land der Ideen | Expo 2000 | Pflanzenkläranlagen | Retentionsbodenfilter | KlärschlammvererdungHochwasserschutz Betriebsführung"Die Natur zurückholen" | Avifauna | Arthropodenfauna | Klärschlammräumboot | Danksagung

Lahstedt liegt im deutschen Bundesland Niedersachsen, südöstlich von Hannover. Etwa 10.600 Menschen leben in den fünf Ortschaften der Gemeinde.

"Die Natur zurückholen", so könnte das Motto lauten, dem sich der "Abwasserbetrieb Lahstedt" verpflichtet fühlt. Die Sanierung und Erweiterung unserer vier Kläranlagen schreitet Jahr für Jahr voran – auf naturnahe Weise mit möglichst wenig Beton und Technik. Abwasserentsorgung ist eine gesetzliche Pflichtaufgabe der Kommunen. Lahstedt macht aus der Pflicht eine Kür und verbindet die erforderliche Reinigung des Abwassers mit der Schaffung von Sekundärbiotopen, d. h. diese großflächigen Abwasserbehandlungsareale werden auch gezielt zum Naturschutz genutzt. Dies hat bundesweit Anerkennung gefunden. Die aus drei Teilprojekten bestehende neue Kläranlage in Gadenstedt wurde 1998 als eines der ersten externen Expo 2000 Projekteregistriert – und mit 400.000 DM von der Weltausstellung zusätzlich gefördert. Das war eine phantastische Anerkennung für die gemeindliche Umweltschutzpolitik. Auf dem Betriebsgelände existiert eine ungemein hohe Vielfältigkeit an Pflanzen und Tierarten (weit über 400).



Aufgrund der überzeugend guten Erfahrungen mit den bisher errichteten naturnahen Abwasserbehandlungsstufen hat der Rat der Gemeinde Lahstedt beschlossen, auch die Kläranlagen in den Ortsteilen Münstedt und Adenstedt ausschließlich auf der Basis solcher Sekundärbiotope zu sanieren und zu erweitern. Als weitere Schritte auf diesem Weg wurden im Jahr 2001 die neuenMischwasserbiotope in Oberg (0,57 ha) und Münstedt (1,4 ha) errichtet. Im Jahr 2006 wurde eine 0,6 ha große Klärschlammvererdungsanlage im Ortsteil Groß Lafferde in Betrieb genommen. 2010 wurde die Genehmigungsplanung für den Retentionsbodenfilter Adenstedt fertiggestellt.

In Lahstedt entsteht so ein Kompetenzzentrum für alternative naturnahe Reinigungstechnik mit Sekundärbiotopen von weit über 10 ha Ausdehnung und einer Klärkapazität für etwa 15.000 Einwohnergleichwerte. 
Dies ist in Europa einmalig! Und es ist eine große Chance die Innovationskraft in Niedersachsen zu demonstrieren und den Nachhaltigkeitsgedanken der Agenda 21 beispielhaft auf lokaler Ebene umzusetzen.

Ort im Land der Ideen


Expo 2000 Hannover


Retentionsbodenfilter Lahstedt

Video Gemeinde Lahstedt

Pflanzenkläranlagen

Pflanzenkläranlagen sind eine naturnahe Alternative zur hochtechnisierten Abwasserreinigung in Betonbauwerken. Das Verfahren ist verblüffend einfach: Abwasser sickert durch ein Schilfbeet, wobei es durch Bodenbakterien gereinigt wird.

Ausführliche Informationen finden Sie in der zweisprachigen Broschüre:

Unser Beitrag zur Weltausstellung - deutsch

Our contribution to the World Exhibition - english

Kläranlage Gadenstedt

Auftraggeber:
Gemeinde Lahstedt
Am Breiten Tor 1,
D-31246 Lahstedt

Optimierung einer Tropfkörperanlage
für kommunales Abwasser mit Hilfe einer Pflanzenkläranlage

Anschlussgröße:
3000 Einwohner

Planung: 1995-1996
Bau:      1997-1998

Kläranlage von 1959:
- Tropfkörperanlage

Umbaumaßnahmen:
- Neuer Sandfang und Rechen

Erweiterung der alten Anlage durch:
- 4 schilfbepflanzte Filterbecken
- 3 Klärschlammvererdungsbecken
- Mischwasserbiotop

Flächenbedarf Filterbecken, ohne
Schlammbehandlung:
- 10.000 m²

Besonderheiten:
- erfolgreicher Betrieb der Pflanzenkläranlage als Hauptklärstufe

Download: Kläranlage Gadenstedt: Optimierung einer Tropfkörperanlage für kommunales Abwasser mit Hilfe einer Pflanzenkläranlage

Retentionsbodenfilter (Mischwasserbiotope) Lahstedt

Die Regenentlastungen in Mischwassersystemen müssen den allgemein anerkannten Regeln der Technik entsprechen. Sie dürfen nicht mehr mit Abwasser vermischtes und damit verschmutztes Niederschlagswasser in den Vorfluter abschlagen als gesetzlich erlaubt ist (< 250 kg CSB pro Hektar und Jahr bezogen auf die befestigte Fläche). Der Nachweis erfolgt z.B. über Schmutzfrachtsimulationsprogramme (Smusi, Kosim, LWAFLUT) oder über das
Arbeitsblatt ATV A 128.

Anstelle üblicher Regenüberlaufbecken in Beton, die die entlastete Schmutzfracht begrenzen, können alternativ Teich-Röhricht-Biotope in Erdbeckenbauweise errichtet werden, die preisgünstiger und landschaftsangemessener sind und
eine wesentlich höhere mechanisch-biologische Wirksamkeit aufweisen.

Bewachsene schwimmende Teichinseln steigern die Reinigungsleistung des Mischwasserbehandlungsbiotops und erhöhen wirkungsvoll den Biotopwert.

Durch die Retention starker Niederschläge werden Abflussspitzen in Flüssen minimiert und somit wird dem Hochwasserschutz Rechnung getragen.

Bereits seit einigen Jahren bestehende Praxisprojekte, die eingehend untersucht wurden (Sinsheim, Wolfsburg), haben ein außerordentlich positives Ergebnis gezeigt.

Mischwasserbiotope in Oberg und Münstedt

Die Ortschaften Oberg und Münstedt (3.400 Einwohner) entwässern im Mischsystem. Das heißt, dass häusliches Abwasser und Regenwasser von befestigten Flächen zusammen in einem Kanalsystem in die Kläranlage gelangt. Unter Regenwetterbedingungen wird nach den gültigen Regeln der Technik ein beträchtlicher Teil dieses Mischwassers ungereinigt direkt den Fließgewässern zugeführt. In den neuen Mischwasserbiotopen werden diese entlasteten
Mischwässer nun mehr gründlich behandelt.

Nach der Passage eines unbelüfteten Absetz- und Speicherteiches erfolgt eine abschließende Behandlung in einem schilfbepflanzten Bodenfilter vor Einleitung in den Vorfluter Woystgraben. Durch die Wasserrückhaltung bzw. Abflussdämpfung wird das Fließgewässer vor Spitzenabflüssen geschützt, und die unerwünschte Organismenabdrift wird verhindert (Speichervolumen: 3400 m3 Oberg, 1250 m3 Münstedt). Die mehrstufige Reinigungskaskade hält grobe Verunreinigungen aus dem Sanitärbereich sowie absetzbare mineralische
Feststoffe zurück. Die im Mischwasser enthaltenen organischen Schmutzstoffe werden oxidiert, so dass sie die Lebensgemeinschaft des Fließgewässers nicht mehr schädigen können.

Unterstützend zur bakteriellen Abwasserreinigung werden Sumpfpflanzen, auf Schwimminseln wachsend, die im Abwasser gelösten Schad- und Nährstoffe binden. Die Wasser- und Röhrichtflächen sind Anziehungspunkt zahlreicher
Brut- und Rastvogelarten. Kleinfische, Amphibien und Krebstiere besiedeln den Lebensraum aus Menschenhand.

Bereits im Lahstedter Ortsteil Gadenstedt hat sich ein solches Sekundärbiotop zur Abwasserbehandlung an Stelle herkömmlicher Regenüberlaufbecken aus Beton aus der Sicht des Gewässerschutzes als weit überlegen erwiesen.

Download: Retentionsbodenfilter (Mischwasserbiotop) Gadenstedt - Optimierung einer Tropfkörperanlage für kommunales Abwasser mit Hilfe einer Pflanzenkläranlage

Download: Retentionsbodenfilter (Mischwasserbiotop)Münstedt - Mechanisch- biologische Behandlung von Mischwasserabschlägen zur direkten Einleitung in den Vorfluter

Download: Retentionsbodenfilter (Mischwasserbiotop) Oberg Mechanisch- biologische Behandlung von Mischwasserabschlägen zur direkten Einleitung in den Vorfluter oder zur Bewässerung 

Klärschlammvererdungsanlage Groß Lafferde

Vererdung von Klärschlamm aus kommunalen Kläranlagen des Eigenbetriebs Abwasserentsorgung
(1 Belebungsanlage, 3 Tropfkörper)

[Gross Lafferde - Klärschlammvererdung]
Auftraggeber:
Eigenbetrieb Abwasserentsorgung
der Gemeinde Lahstedt
Am Breiten Tor 1
31246 Lahstedt

Größe Gesamtanlage 6.655 m²

Größe Vererdungsfläche 6 Becken a 590 m²

Schlammstapelhöhe 1,75 m

Schlammlagervolumen 5.000 m³

Aufbringungsmenge Nassschlamm bei 5% TS 2.400 m³/a



Die Gemeinde Lahstedt betreibt weitere von uns geplante Klärschlammvererdungsanlagen mit Schilfbepflanzung auf ihren Kläranlagen in Gadenstedt, Münstedt und Adenstedt.

Download: Klärschlammvererdungsanlage Groß Lafferde

Hochwasserschutz (Regenrückhaltebecken Gadenstedt - Bolzbergallee)

Aufgrund von hohen Niederschlägen in der Gemeinde Lahstedt, Ortsteil Gadenstedt, am 01.05.2004 (70 mm in einer Stunde) und erneut am 20.07.2004 (30 mm in 2 Stunden), durch die es zu erheblichen Schäden an Gebäuden und hohem Arbeitsaufwand durch Aufräum- und Reinigungsarbeiten gekommen ist, wurde der Verfasser um einen Vorschlag zum Schutz der Infrastruktur vor Überschwemmungen durch Oberflächenwasser von östlich der Gemeinde gelegenen Flächen bei Starkniederschlagsereignissen gebeten.

 
Das Einzugsgebiet umfasst 21 ha und besteht aus einer landwirtschaftlichen Fläche. Die Neigung ist relativ gering (1…2%). Entsprechend der Nutzung und der Bewirtschaftungsphase (kahl, geringer Bewuchs, voller Bewuchs, tiefer Boden, gefrorener Boden, Schneedecke) ist der Abflussbeiwert jahreszeitlich sehr unterschiedlich.
 
Aus Gründen der Höhenverhältnisse wird das Regenrückhaltebecken zweigeteilt in einen tieferen nördlichen Teil und einen höheren südlichen Teil. Zwischen den beiden Teilbecken wird ein Damm angelegt, der bei Erreichen des Stauziels einen Überlauf vom höheren in das niedrigere Becken erlaubt.
Das Stauziel liegt jeweils 30 cm unter der Dammkrone. Bei Erreichen des Stauziels beträgt das gesamte Speichervolumen ca. 9.700 m³.
 
Für nähere Informationen klicken Sie auf unsere unten stehende pdf-Datei.

Download: Hochwasserschutz - Regenrückhaltebecken Gadenstedt

Betriebsführung der vier Kläranlagen der Gemeinde Lahstedt mit einer Ausbaugröße von 15.500 Einwohnergleichwerten

Von Januar 2001 bis Januar 2010 waren wir mit der technischen Betriebsführung der vier Kläranlagen der Gemeinde Lahstedt in Niedersachsen betraut (Anschlusskapazität von insgesamt 15.500 Einwohnergleichwerten), mit drei bei uns angestellten Mitarbeitern der Fachrichtung Abwassertechnik.

Diese Beauftragung eines privaten Dritten über einen Betriebsführungsvertrag endete nach acht Jahren im Januar 2010. Anfang Februar 2010 wurde der Eigenbetrieb in eine kommunale Anstalt öffentlichen Rechts umgewandelt (AöR). Die Betriebsführung liegt fortan beim Vorstand der AöR, Abwasserbetrieb Lahstedt.

Download: Referenzschreiben des Abwasserbetriebs Lahstedt zur Betriebsführung der Kläranlagen in Lahstedt vom 11. November 2011

"Die Natur zurückholen"

so etwa könnte das Motto lauten, dem sich der kommunale Eigenbetrieb Abwasserentsorgung der Gemeinde Lahstedt im Landkreis Peine seit Jahren verpflichtet fühlt. 

Die Sanierung und Erweiterung der vier Lahstedter Kläranlagen schreitet Jahr für Jahr voran – auf naturnahe Weise mit möglichst wenig Beton, Technik und Energieeinsatz.

[Abwasserentsorgung der Gemeinde Lahstedt]
Abwasserentsorgung ist eine gesetzliche Pflichtaufgabe der Kommunen. 
Die Lahstedter machen aus der Pflicht eine Kür und verbinden die erforderliche Reinigung des Abwassers mit der Schaffung von Sekundärbiotopen, d. h. sie nutzen diese großflächigen Abwasserbehandlungsareale auch gezielt zum Naturschutz. Dies hat bundesweit Anerkennung und international Nachahmung gefunden. 

Die aus drei Teilprojekten bestehende neue Kläranlage in Gadenstedt wurde 1998 als eines der ersten externen Expo 2000 Projekte registriert – und 
mit 400.000 DM zusätzlich gefördert. Das war eine phantastische Anerkennung der am Nachhaltigkeitsgedanken der Agenda 21 orientierten lokalen Umweltschutzpolitik des Gemeinderates von Lahstedt.

Die Standortinitiative des Bundespräsidenten und der deutschen Wirtschaft „Deutschland – Land der Ideen“ hat für das Jahr 2007 die naturnahen Abwasserreinigungsanlagen Lahstedts als „Ort im Land der Ideen“ ausgewählt mit dem Präsentationstermin 12. März 2007 (www.land-der-ideen.de).

Auf dem Gadenstedter Klärwerksgelände existiert eine ungemein hohe Mannigfaltigkeit an Pflanzen- und Tierarten (weit über 400). Arten, die man kennt und die auffallen, wie z.B. der farbenprächtige Eisvogel und Arten, die unscheinbar sind, wie z. B. die Rohrsänger oder bestimmte kleinwüchsige seltene Blütenpflanzen.



Der Ornithologe Prof. Hans Oelke und sein Mitarbeiter-Team haben mit zahlreichen Japannetzfängen seit 2004 (> 330 h) nicht nur einen sehr hohen Brutvogelbestand mit 32 Arten dokumentiert, wobei Teichrohrsänger, Rohrammer, Stockente, Graugans und Reiherente dominieren, sondern auch 1.380 Rast- und Zugvogelindividuen gefangen und beringt. Darunter befinden sich diverse Rote-Liste-Arten und Arten der Vorwarnliste wie Bekassine, Drosselrohrsänger, Großer Brachvogel, Kiebitz, Knäkente, Rebhuhn,
Schilfrohrsänger, Wiesenweihe, Braunkehlchen, Weißstorch, Bartmeise, Baumpieper, Eisvogel, Gartenrotschwanz, Grünspecht, Kormoran, Kuckuck, Mauersegler, Mehlschwalbe, Pirol, Rauchschwalbe, Rotmilan, Schafstelze, Teichhuhn, Uferschwalbe und Zwergtaucher. Die Brutvogelart Teichrohrsänger erreicht in Gadenstedt mit 20 Brutpaaren eine für Niedersachsen bisher noch nicht erreichte Siedlungsdichte (≙182 Brutpaare/10 ha).

Die Basis für die hohe Artendiversität von 70 Vogelspezies ist die außergewöhnlich hohe Dichte der Arthropoden (Wirbellosen) auf dem naturnahen Klärwerksgelände als Ernährungsbasis (Insekten, Spinnen, Bodenarthropoden), wie sie 2006 durch drei Examensarbeiten der Universität Göttingen dokumentiert wurde.

Die ausführliche Ergebnisdarstellung der umfangreichen ornithologischen
Bestandsaufnahmen sowie eine botanische Inventarbeschreibung wurde 2006 in den „Beiträgen zu Naturkunde Niedersachsens“ (Heft 2) publiziert.

In den sechziger, siebziger und achtziger Jahren ist die Kulturlandschaft teilweise rigide zu Lasten natürlicher Lebensgemeinschaften ausgeräumt worden.
Das Lahstedter Motto „Die Natur zurückholen“ wird mit jedem neuen kommunalen Abwasservorhaben ein gutes Stück weitergebracht.

Die vorstehenden Befunde aus Gadenstedt bestätigen auf eindrucksvolle Weise, dass den Lahstedter „Abwasserstrategen“ die angestrebte Harmonisierung von technischen Umweltschutzerfordernissen mit der Wiedereinrichtung von Rückzugsräumen für gefährdete Tier- und Pflanzenarten gelungen ist.

Wir wünschen unseren Mitbürgerinnen und Mitbürgern (und unseren Besuchsgästen), dass sie auch die Muße finden, gelegentlich zu beobachten, wie viel Natur sich nach kurzer Zeit wiedereinstellt, wenn dafür die Randbedingungen geschaffen werden.

In Gadenstedt haben Sie freien Zugang zu den Schilfklärstufen und nutzen die Wege um die Anlage bereits seit nunmehr zehn Jahren für Spaziergänge. Auch die zahlreichen weiteren eingezäunten Klärwerksareale in unseren Ortsteilen 
Groß Lafferde, Oberg und Münstedt stehen Ihnen jederzeit offen. Das Personal unseres Eigenbetriebs Abwasserentsorgung öffnet Ihnen jedes Tor und jede Tür und informiert Sie gerne. Diese Klärwerke sind von Ihnen bezahlt worden und Sie kommen laufend für den Betrieb einschließlich aller Personalkosten auf (in Form von Abwassergebühren). Wir schulden Ihnen dafür Dank und vollumfänglich Rechenschaft. Kurzum, Sie sind herzlich eingeladen und Ihre Meinung ist
uns wichtig.

2002 wurden die Mischwasserbiotope in Oberg und Münstedt 
(insgesamt 3 ha) in Betrieb genommen. 



Etwa die Hälfte des Münstedter Areals steht außerhalb des eigentlichen
Betriebsgeländes als öffentliche Grünfläche zur Verfügung. In den Randbereichen der Biotope sind Hochstämme, Heister und Sträucher, überwiegend der Arten Eiche, Esche, Schwarzerle, Feldahorn, Eberesche, Korbweide, Wildbirne, Schwarzer Holunder, Wasserschneeball, Traubenkirsche, Salweide, Hasel, Hundsrose, Schlehe und Korbweide gepflanzt. 

Hinzu kommen mehr als 70 verschiedene Sumpf- und Wasserpflanzen in den Bereichen, die über offene Wasserflächen verfügen. Das sind insbesondere die Mischwasserbiotope. Dort finden sich Kalmus, Gemeiner Froschlöffel, Schwanenblumen, Sumpfdotterblumen, 22 verschiedene Seggen- und Binsenarten, Blutweiderich, Wasserminze, Ästiger Igelkolben, Pfeilkraut, Rohrkolben, Gilbweiderich und zahlreiche weitere Arten. In der Summe verfügen die bis jetzt ca. 6 ha großen Areale damit über mehrere Hundert verschiedene Pflanzenarten und eine reiche Strukturierung, so dass es nicht verwundert, dass gerade dort sich Fasanen, Rebhühner, Feldhasen, Rehe und eine Fülle von Insektenarten bevorzugt aufhalten. Zahlreiche dieser Arten sind auf die Vielfalt verschiedener Kräuter und Gräser angewiesen (z. B. der Feldhase) und ihr bundesweiter Rückgang beruht gerade darauf, dass unsere Landschaft diese Vielfalt zu einem großen Teil eingebüßt hat. Über naturnahe Abwasser- behandlungsareale lassen sich auf diese Weise ökologische Nischen schaffen, die einen fortdauernden Bestand dieser Arten gewährleisten.

Download: Die Natur zurückholen
Download: Die Schwarzpappel - Baum des Jahres 2006

Avifauna

„Die Expo – Schilfkläranlage Gadenstedt, Gemeinde Lahstedt, exzellentes Vogelhabitat zwischen Rüben-Weizenäckern“
von Hans Oelke

Innerhalb einer kurzen Zeitspanne (1998 - 2006) hat sich auf der knapp  1,6 ha großen EXPO-Schilfkläranlage Gadenstedt samt Teichanlage (Mischwasserbiotop) auf ehemaligen Rüben-Weizenäckern im Nahbereich des Fuhsetales inmitten der Hildesheimer-Peiner Lößzone ein reichhaltiger Vogel-Brutbestand hoher Artendiversität (32 Arten, 49 - 88 Brutpaare, 338 - 550 BP 1o ha) mit hoher Siedlungsdichte entwickelt. Teichrohrsänger, Rohrammer, Stockente, Graugans, Reiherente dominieren. 330 Stunden Japannetzfänge bei einer Netzlänge von 100 - 120 m haben zwischen 
2003 - 2006  70, viele vesteckt lebende und Rote Listen Vogelarten mit mehr als 1380 Individuen auf Rast und Zug zusätzlich dokumentiert.


Matthias Meyer mit einem Eisvogel am 2.10.20015 in der Stationshütte

Einige spektakuläre Ringwiederfunde von Fernziehern strahlen von der kleinen Anlage bis weit nach Südwesteuropa aus. Basis für das Vogel-Schlaraffenland im Kleinen sind die ungewöhnlich reichhaltige Wirbellosenfauna und der konsequente Vogelschutz (keine Jagd). Detailstudien der Vogelfänge beleuchten die Flügelmaße und Gewichte dominanter, durchweg sehr treuer Arten.

Den ausführlichen Artikel von Prof. Dr. H. Oelke finden Sie in folgendem PDF:

Download: "Die Expo – Schilfkläranlage Gadenstedt, Gemeinde Lahstedt, exzellentes Vogelhabitat zwischen Rüben-Weizenäckern" von Hans Oelke

Eine aktuelle Datensammlung über Vogelfangresultate in Gadenstedt von Prof. Dr. H. Oelke zeigt Ihnen das nachstehende PDF:

Download: Vogelfangresultate 2010 und 2011
 

Leserbrief in Peiner Nachrichten vom 27.04.2015:

Schilfkläranlage als große Öko-Idee erhalten

Im Streit um die Zentralkläranlage fand ich keinen Hinweis auf die bestehende Expo-Schilfkläranlage und den Nachklärbiotop Gadenstedt. Diese biologisch-ökologische Musteranlage ist an den Köpfen vieler Politiker und Verwaltungen erkenntnislos vorbeigelaufen. Die Attraktivität des durch Benieshecken, Trockenrasenbepflanzungen, Storchenhorst, Greifvogel-, Fledermaus-, Meisen-, Hornissenkästen aufgewerteten Naturkomplexes zog Besuchergruppen aus aller Welt an. Das alles scheint ignoriert zu werden. In den Vordergrund schiebt sich die superteure konventionelle Klärtechnik. Der sachunkundige Verbraucher schluckt ja stets alle Kosten und Preiserhöhungen.

Die Expo-Schilfkläranlage stützt sich auf das bestreinigende Schilf-Rhizom-Wurzelsystem. Durch die Nachklärung werden Fäkalien, Hormone, Pharmareste abgebaut. Die hohe Umwelt-Qualitätsbereicherung in Gadenstedt zeigt sich in der einmalig hohen Artenvielfalt. Keine konventionelle Kläranlage im Umfeld kann da mithalten. Ich fordere den Erhalt und die Weiterentwicklung der Expo-Schilfkläranlage und die Beibehaltung der großen Öko-Idee.

Professor Dr. Hans Oelke, Peine


 

Untersuchungen zur Arthropodenfauna der Schilfkläranlage Lahstedt-Gadenstedt

von Roman Gotthold, Ines Thißen, Daniel Graeber, Simone Riedelbauch, Matthias Schaefer und Sonja Migge-Kleian

Schilfbestände stellen in Mitteleuropa einen Lebensraum für zahlreiche, teilweise stark angepasste Tierarten dar. In einer Pflanzenkläranlage zur Reinigung von Abwässern ist Schilf Lebensraum für eine vielfältige Tiergemeinschaft in einer ansonsten an natürlichen Habitaten relativ armen Agrarlandschaft. Wie stark die Artenvielfalt der Landschaft aber tatsächlich durch integrierte Schilfkläranlagen erhöht wird, hängt mit dem Grad der strukturellen Heterogenität eines solchen naturnahen Inselhabitats und dem von ihm bereitgestellten Angebot an Lebensräumen für unterschiedliche Tierarten zusammen. 


Schilfradspinne (Lariniodies cornutus) - Dank an den Fotografen Jürgen Peters

Im Jahre 2004 konnte dies in Untersuchungen der Arthropodengemeinschaft in der Schilfkläranlage der Gemeinde Lahstedt/Gadenstedt, Landkreis Peine, gezeigt werden. Durch die unterschiedliche Beschaffenheit der in den Schilfbeeten verwendeten Bodensubstrate und die verschiedenartige Bepflanzung sowohl innerhalb der Anlage als auch in den angrenzenden Biotopsäumen entstand eine Vielzahl an Lebensräumen, welche in der umgebenden, stark monotonen Agrarlandschaft fehlen und die vor allem im Hinblick auf den Faktor Feuchtigkeit besonders Spezialisten Entfaltungsmöglichkeiten bieten. So konnten mit verschiedenen Fangmethoden (Bodenfallen, Standfallen, Halmfallen), die eine Unterscheidung des Fangs zwischen Boden und Vegetation erlaubten, aus den untersuchten Arthropodengruppen Isopoda (Asseln), Chilopoda (Hundertfüßer), Myriapoda 2 (Tausendfüßer), Coleoptera (Käfer), Araneida (Spinnen) und Rhynchota (Schnabelkerfe) ingesamt 187 Arten nachgewiesen werden. Bis auf die Gruppe der Käfer (ausschließlich Bodenfallen eines Fangtermins im Juni) wurden die Fänge über die gesamte Vegetationsperiode (April - November) ausgewertet. Für die Untersuchung der Asseln, Hundert- und Tausendfüßer wurde nur auf die Fänge in Bodenfallen zurückgegriffen, da die Arten dieser Tiergruppen fast ausschließlich bodengebunden leben. Sowohl für die Spinnenfauna als auch im besonderen Maße für die Zikaden und Wanzen konnte dagegen die Bedeutung der höheren Vegetation festgestellt werden. So kamen einige Arten der Baldachinspinnen in hoher Zahl auch in höherer Vegetation vor. Bei den Zikaden sind besonders die Chloriona-Arten als Schilfbewohner hervorzuheben, und auch die Blumen und Weichwanzen sind deutliche Vegetationsbewohner. Insgesamt konnte gezeigt werden, dass neben der horizontalen Strukturierung des Habitats durch den Aufbau der Anlage (Lage in der Landschaft, Wasserdurchlässigkeit der Bodensubstrate) auch die vertikale räumliche Strukturierung durch das Schilf eine deutliche Wirkung auf die Verteilung von Mikrohabitaten und damit auch auf die Artenvielfalt im Biotop ‚Schilfkläranlage‘ hatte.
 
Zusammenfassend lässt sich die Schilfkläranlage Lahstedt/Gadenstedt als ein relativ heterogen strukturiertes, naturnahes Habitat beschreiben, das einer Vielzahl verschiedener Wirbellosenarten Lebensraum bietet und darüber hinaus auch dem Artenerhalt dienen kann.

Den ausführlichen Artikel finden Sie in folgendem PDF.

Download: Abstract aus "Insect Communities of Phragmites Habitats Used for Sewage Purification" von Olaf Athen und Teja Tscharntke, in Limnologica 29 (1), 1999, Seite 71 - 74 

Download: "Untersuchungen zur Arthropodenfauna der Schilfkläranlage Lahstedt-Gadenstedt" von Roman Gotthold

Klärschlammräumboot

In Lahstedt (aber auch anderen Orts) haben wir die Anschaffung eines Klärschlammräumbootes zur Teichentschlammung initiiert.
Der Abwasserbetrieb Lahstedt vermietet dieses Boot auch (inklusive Gestellung von Bedienpersonal) im Rahmen der interkommunalen Zusammenarbeit. Falls gewünscht, können Klärschlämme auch zur Klärschlammvererdungsanlage im lahstedter Ortsteil Groß Lafferde transportiert und dort sachgerecht behandelt und entsorgt werden. Angebote erhalten Sie beim Abwasserbetrieb Lahstedt.



Der Schlammabzug des Teiches erfolgt mit Hilfe eines speziellen Klärschlammräumbootes, das durch Schwimmpontons getragen wird. Das Schlammräumgerät schwimmt auf dem zu entschlammenden Teich und saugt durch einen absenkbaren Entnahmetrichter den Schlamm mittels Unterwasserpumpe an. Der angesaugte Schlamm wird über eine schwimmende Schlauchleitung in die Klärschlammbehandlung geleitet. Der Entnahmetricher dient zur besseren Schlammaufnahme und ist mit einem sich um eine horizontale Welle drehenden Häcksler ausgerüstet. Hiermit wird der sedimentierte Schlamm aufgelockert und eventuell abgelagerte Grobstoffe zerkleinert, um eine wirkungsvolle Entnahme zu erleichtern.

Danksagung

Die „naturnahe Abwasserentsorgung in Lahstedt“ in den vielfältigen Aspekten die vorstehend dargestellt sind, ist in allererster Hinsicht den Anregungen und Visionen des Ratsherrn und langjährigen Werksausschussvorsitzenden, Manfred Tinius, zu verdanken, der mit beeindruckender Beharrlichkeit gegen zahllose Widerstände über 25 Jahre eine ökologische Neuausrichtung der Siedlungswasserwirtschaft in seiner Gemeinde vorangetrieben hat und dies nach wie vor im Verwaltungsrat der Anstalt öffentlichen Rechts (AöR) „Abwasserbetrieb Lahstedt“ tut.

Ihm seien folgende Worte von Berthold Brecht dediziert:

"Die Schwachen kämpfen nicht,
die Stärkeren kämpfen vielleicht eine Stunde.
Die noch stärker sind, kämpfen ihr Leben lang.
Diese sind unentbehrlich."

Unsere alternativen Planungsansätze und –realisationen sind ferner noch durch den Leiter Geschäftsbereich Technik, Herrn Kloster, den ehemaligen Gemeindedirektor Wilms und den früheren Bürgermeister Ex in besonderer Weise befördert worden, woran wir uns mit großer Dankbarkeit erinnern.

Letztlich (im Wortsinn) entscheidendes Gremium war und ist jedoch der demokratisch legitimierte Werksausschuss (seit Anfang 2010 nunmehr als Verwaltungsrat der AöR Abwasserbetrieb Lahstedt), der über Parteigrenzen und anfänglich große Skepsis hinweg unbeirrt die Weichen über nunmehr zwanzig Jahre, zunächst vorsichtig, dann vor dem Hintergrund sich einstellender Erfolge immer entschiedener, für die Fortsetzung zum Einsatz innovativer Ökotechnik gestellt hat. Die in Lahstedt ausgeführten ökotechnologischen Verfahren haben national wie international längst große Nachahmung und Verbreitung gefunden.

gez. M. Blumberg im April 2010